Step-by-Step Tutorial: D&D Karten zeichnen mit Photoshop – Teil 1: Mauern

Ich habe in den letzten Tagen fleißig an meinen Karten gearbeitet und möchte euch hier anhand eines Schritt-für-Schritt Tutorials zeigen, wie ich meine Karten erstelle:

Den richtigen Stil finden

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich einen Kartenstil gefunden habe, der mir persönlich gut gefällt. Ich bin kein großer Fan von super-realistsichen Texturen und 3D gerenderten Ansichten. Mein Geschmack findet sich eher bei handgezeichneten, illustrativen Karten wieder.

Jemand der das sehr gut kann ist Mike Schley,
der unter anderem die Karten für Curse of Strahd gezeichnet hat:

Mike Schley | Zeichnet die offiziellen Karten für Wizards of the Coast
Mike Schley | Zeichnet die offiziellen Karten für Wizards of the Coast

Ich habe also versucht mich an seinem Stil zu orientieren:

Meine Karte im Stil von Mike Schley
Meine Karte im Stil von Mike Schley

Aber wie ist diese Karte entstanden?

Zu aller erst, ich verwende Photoshop. Der Grund dafür ist einfach, dass ich mit diesem Werkzeug seit über zehn Jahren arbeite und ich daher hierin einfach am schnellsten bin.


Lost geht es mit Teil 1 des Tutorials: „Grundlagen & Mauern“

Raster

Raster anlegen
Damit ich schnell arbeiten kann, verwende ich den Raster und die Einstellung „Am Raster ausrichten“. Dafür stelle ich zuerst den Raster ein (Voreinstellungen > Hilfslinien, Raster & Slices > Rasterlinie alle 50 Pixel, 1 Unterteilung).

Ein Raster von 50x50px hilft mir, meine Karten übersichtlich zu halten
Ein Raster von 50x50px hilft mir, meine Karten übersichtlich zu halten

Ich habe mich für einen Raster von 50×50 Pixel entschieden. Das Dokument selbst lege ich bei 150dpi an. Ich könnte auch 300dpi verwenden, aber ich bin mir noch nicht sicher ob ich meine Karten drucken, oder nur digital verwenden will. Da sind 150dpi als Mittelding völlig ausreichend.

Mein Dokument hat 2000x2000px mit 150dpi und einem Raster von 50x50px, was mir 20×20 Felder erlaubt. Ich kann also Karten zeichnen die 100×100 Fuß umfassen (1 Feld = 5 Fuß).

Weitere Tips zum arbeiten mit dem Raster
Mit dem Tastenkürzel „STRG+ALT+,“ lässt sich der Raster jederzeit ein/ausblenden.

Mit der Einstellung „Ansicht > Ausrichten an > Raster“ richtet sich jeder Pfad automatisch am Raster aus.

Schritt 1: Raster
Schritt 1: Raster

Hintergrund

Eine gute Karte braucht auch einen entsprechenden Hintergrund. Sie wirkt einfach authentischer und wir können uns später die Texturen des Hintergrundes noch zunutze machen.

Ich habe mir dafür ein Pergament-Motiv zusammengebastelt:

Schritt 2: Background
Schritt 2: Background

Texturen

Damit meine Karte schöne Texturen für die Mauern, den Boden, etc. hat, habe ich mir ein Set an Texturen zusammengesucht, die gut dem von mir gewünschten Stil passen.

Welche Texturen ihr da verwendet bleibt euch überlassen, damit der Stil aber eher „gezeichnet“ bleibt empfehle ich, nach handgezeichneten Texturen zu suchen.

Suhbegriffe die mir geholfen haben sind: „texture, comic, stonewall“ oder „Texture, Comic, floor“.

In meinem Fall habe ich mich für eine Textur von 123rf.com entschieden:

123rf | Copyright : 0mela
123rf | Copyright : 0mela

Ich habe dann die Textur, die ich für meine Wand verwenden will freigestellt (Man muss aufpassen, dass man das exakt macht, da sie sonst nicht „nahtlos“ inandergreift.)

Damit sich die Textur rechnerisch gut auf meiner Karte umsetzen lässt habe ich sie auf folgende Maße zusammengeschnitten:

Breite & Höhe: 500px
Auflösung: 150 dpi

bildschirmfoto-2016-11-03-um-22-35-35

Danach habe ich sie noch mithilfe des Farbton & Sättungswerkzeugs von jeglicher Farbe befreit.

bildschirmfoto-2016-11-03-um-22-41-58

Zum Schluss habe ich die Textur dann als Muster festgelegt:
Bearbeiten > Muster festlegen.

bildschirmfoto-2016-11-03-um-22-43-23


Pfade statt Linien

Jetzt geht es ans Eingemachte. Um möglichst flexibel zu sein arbeite ich mit Pfaden und Ebeneneffekten. Pfade haben den Vorteil, dass sie vektorbasiert sind und ich sie somit jederzeit verlustfrei skalieren kann. Ebeneneffekte helfen mir dann schnell den gewünschten Stil auf alle Pfade gleichzeitig anzuwenden.

Wenden wir uns also unserer ersten Mauer zu:
Zuerst richten wir uns das Pfadwerkzeug passend ein.

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Fläche: Transparent.
Kontur: 9px, Füllung: Muster. – Hier wählen ich die Textur als Muster.
Textur skalieren: damit die Textur nicht zu groß ist, skaliere ich sie auf 20%

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Linieneinstellungen: Damit die Linie zentriert um den Pfad erstellt wird setzte ich die entsprechende Einstellung. Dann passe ich noch Ecken und Abschlüsse an und bin auch schon fertig.

 

 


Es wird Zeit die ersten Mauern zu errichten:

Mithilfe des Pfadwerkzeugs ziehe ich eine Mauer. „Am Raster ausrichten“ hilft mir, dass jeder Ankerpunkt exakt auf dem Grid sitzt.

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Aber so wirklich sexy ist die Mauer bisher noch nicht. Also wird es Zeit sich der Ebeneneffekte zu bedienen:


Ebeneneffekte

Als erstes wollen wir, dass die Mauer eine Kontur bekommt. Aber es soll eine Kontur sein, die etwas „krakelig“ wirkt um den handgezeichneten Stil zu entsprechen. Dafür verwenden wir den Effekt „Schlagschatten“:

bildschirmfoto-2016-11-03-um-22-59-03Hier nun ein wichtiger Trick:

Anstatt den Ebeneneffekt direkt auf die Linien-Ebne zu legen, legen wir den Effekt auf einen Ebenenordner. Damit werden gleich alle Linien von dem Effekt betroffen:

  • Ebenenordner erstellen
  • Pfadebene in den Ordner verschieben
  • Ordner anwählen
  • Ebeneneffekte auf den Ordner zuweisen

 


Jetzt können wir den ersten Effekt erstellen: Schlagschatten

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Schlagschatten 1
Deckkraft: 100%
Abstand: 0 (es soll ja eine gleichmäßige Kontur sein)
Überfüllen: 46 (verwendet weniger, wenn es euch zu dick ist)
Größe: 6
Rauschen: 10% (das sorgt für den zusätzlichen "Kritzel-Effekt")

Sehr gut. Aber die Mauer ist mir zu dunkel. Die Karte soll „leuchten“ damit die Spieler sich gut darauf zurechtfinden. Also hellen wir die Mauer etwas auf:

Wir fügen einen weiteren Ebeneneffekt hinzu: Farbüberlagerung

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Farbüberlagerung
Farbe: Weiß
Füllmethode: normal
Deckkraft: 30%

Damit die Mauer etwas mehr Körper bekommt fügen wir einen ganz leichten (!) Relief-Effekt hinzu.

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Abgeflachte Kanten & Relief
Stil: Abgeflachte Kanten innen
Technik: Hart Meißeln (es sollen ja Katen entstehen)
Tiefe: 100%
Richtung: nach oben
Größe 2px (es soll nur ein ganz leichter Effekt sein!)

Damit der Effekt aber im Comic Stil etwas "überzogener" ist erhöhen wir die Deckkraft des Licht- & Tiefenmodus auf 90%

Weiter geht es mit dem zweiten Schlagschatten: Schattenwurf.
Damit die Mauern auch einen Schatten auf die Räume werfen füge ich einen zweiten Schatten hinzu.

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Schlagschatten 2
Deckkraft: 75%
Winkel: von Links oben (ca. 120°)
Abstand: 16px
Überfüllen 15px
Größe: 30px
Rauschen: 5%

bildschirmfoto-2016-11-04-um-10-47-23Jetzt haben wir einen eigenen Stil für unsere Mauern kreiert und können diesen auch gleich als Stil speichern. (Ebeneneffekt öffnen und als Neuer Stil speichern)

 

 

 

 


bildschirmfoto-2016-11-04-um-10-48-57Solange der Effekt jetzt auf dem Ebenen-Ordner liegt wird unser neuer Stil automatisch auf alle Objekte in dem Ordner angewendet.

 

 

 

 

 


Jede Form die ich nun zeichne wird automatisch in eine Wand umgewandelt.

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Und so kann ich mit wenigen Klicks einen ganzen Dungeon erstellen, der richtig lässig aussieht und wenig Zeit in Anspruch nimmt.

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Hier geht es weiter zu Teil 2:

Erste Schritte als DM: Karten zeichnen mit Photoshop – Teil2: Boden, Fenster, Türen & Treppen

 

Ein Gedanke zu „Step-by-Step Tutorial: D&D Karten zeichnen mit Photoshop – Teil 1: Mauern“

  1. Was für ein cooler Beitrag. 🙂 Wir haben gerade eben erst über das Thema Karten gesprochen und jetzt sehe ich bei dir, dass der Beamereinsatz von der Decke wirklich funktioniert, wunderbar!

    Hier werde ich öfter vorbeischauen!

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